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  #1 (permalink)
Alt 26.06.2007, 16:58
chaostante
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Standard Transgender, Kings ect. - krank?

Laut dem ICD-10 gilt Transsexualität nach F.64.0 als Geschlechtsidentitätsstörung und ist somit als psychische Krankheit klassifiziert.


Der ICD ist nicht zum klassifizieren/einordnen da, also in diesem Falle rein medizinisch und wertfrei zu verstehen, sondern ist "nur" ein Diagnoseschlüssel, der es den Krankenkassen ermöglichen soll, Diagnosen und ärztliche Leistungen den bei ihnen versicherten Personen direkt zuzuordnen, sprich zum Beispiel die Kosten eine Geschlechtsangleichung zu tragen. Er ist quasi Hilfsmittel für die KK ...wie steht ihr dazu? Wie erlebt ihr den Begriff Krankheit in diesem Zusammenhang?


Mich interessiert das Thema TG/TS sehr und ich möchte später gerne therapeutisch mit diesen Menschen arbeiten. Auch privat finde ich es super spannend und oute mich dahingehend, das ich eine Schwäche für Drag Kings habe...leider wird ja mit all diesen Begriffen sehr leichtfertig umgegangen und alles von der "Norma" abweichend als Trans bezeichnet, wobei das nicht stimmt. Trans wird meist im Zusammenhang mit Sexualität benutzt - allerdings geht es weit darüber hinaus. Ausserdem gibt es so unendlich viele, individuelle Wahrnehmungen des eigenen Geschlechts, was aber allerdings nicht in unsere binäre Geschlechtsordnung, also Mann oder Frau, passt. Selbst bei der Feststellung, das eigene Geschlecht nicht annehmen zu können, wird eine Entscheidung für eines der beiden gefordert, um gleichgestellt und anerkannt zu sein. Dabei gibt es soviele Zwischenstufen, die nicht berücksichtigt werden....und die Bemühung der TG, als drittes geschlecht, annerkannt zu werden - was ich dringend für nötig halte.
Meine Frage: wie steht ihr zu dem Thema? Is euch egal, ist interessant? Seid ihr betroffen oder jemand, den ihr kennt? Wie geht ihr damit um?
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  #2 (permalink)
Alt 27.06.2007, 11:49
böses_mäuschen
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ich kenne sehr viele transsexuelle menschen und ich hab absolut kein problem damit...jeder sollte so leben wie er sich am wohlsten fühlt...deshalb ist er/sie ja nicht weniger mensch...ich bin mit einer transsexuellen befreundet und geh mit ihr ganz gleich um wie auch mit meinen anderen freunden...ich kann absolut nicht nachvollziehen wie gewisse leute das abwertend finden können...*kopfschüttel*
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  #3 (permalink)
Alt 27.06.2007, 13:52
chaostante
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Wie empfindest du in dem Zusammenhang den Begriff "Krankheit"?
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  #4 (permalink)
Alt 27.06.2007, 13:55
böses_mäuschen
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kann ich nicht nachvollziehen...das sind genau solche menschen die auch sagen das gleichgeschlechtliche liebe eine krankheit sei...für mich sind das ganz normale menschen wie du und ich...und ich sehe ABSOLUT keinen zusammenhang mit den begriff krankheit!
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  #5 (permalink)
Alt 27.06.2007, 14:07
chaostante
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Nicht?
Wenn man den Begriff Krankheit wertfrei betrachtet, dann ist diese doch ein Zustand, in dem der Betroffene leidet, Beschwerden hat (körperlich wie seelisch) und eine Behandlung erforderlich ist, die es dem Betroffenen ermöglicht, sich wieder gut zu fühlen. Wenn man strikt davon ausgeht, das Krankheit nur das bedeutet und nicht im Sinne von Stigmatisierung als "irre" oder "abnorm" gilt, sind die Betroffenen dann nicht krank? Viele leiden ja darunter, ihr Geschlecht nicht annehmen zu können, fühlen sich schrecklich, leiden unter ihrem Körper. Ist das nicht seelisch krank?

Wenn man den Begriff Krankheit mal nicht als negativ und zwangsläufig heilungsbedürftig betrachtet, so handelt es sich gewiß um eine Krankheit psychischer Natur, zumindest aber um ein nicht unerhebliches Leiden.
Man muß ja sehen, daß ein transsexueller Mensch mit seinem Status quo - mit dem falschen Geschlecht lebend - erst einmal zutiefst unglücklich ist.
Wenn man in die Zeit zurückdenkt, als es Dinge wie Geschlechtsumwandlung, psychologische Betreuung usw. noch nicht gab, so war damals sicher der eine oder andere Selbstmord auf diesen Umstand zurückzuführen. Wie bei z.B. Depressionen, die ja auch eine seelische Krankheit sind.

Das heißt: Für einen (vollständig) transidenten Menschen besteht aus seiner Sicht generell erstmal Handlungsbedarf in Form von Maßnahmen, die es so in der Natur sonst nicht gibt.
Anders als bei der Homosexualität beispielsweise, bei der keine medizinischen Eingriffe irgendwelcher Art nötig sind, um dem Betroffenen ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Man kann eine Krankheit ja auch so definieren:
- Kann der Betroffene in seinem jetzigen Zustand zufrieden leben: Keine Krankheit
- Besteht Behandlungsbedürftigkeit: Krankheit

Wäre Transsexualität keine Krankheit, müßten die Krankenkassen ja auch keine Kosten für irgendwelche Maßnahmen übernehmen.


Wobei es auch mir sehr schwer fällt, den Begriff "Krankheit" hier zu verwenden, weil er mir auch bei sachlicher Betrachtung ein ungutes Gefühl verschafft. Aber wären die anderen, in Frage kommenden Begriffe nicht ebenfalls negativ besetzt?
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  #6 (permalink)
Alt 27.06.2007, 14:17
böses_mäuschen
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stimmt....gebe ich dir vollkommen recht...wenn man das so betrachtet ist es eine krankheit...aber ich möchte gar nicht wissen wieviele menschen das als eine krankheit ansehen nur weil es nicht "normal" ist. ich kenne nur transsexuelle die ihren weg schon gegangen sind...die sich so wie sie jetzt leben vollkommen wohl fühlen und das sieht man ihnen auch an.viele leute werden das wort "krankheit" trotrzdem so auslegen wie sie es gerne sehen möchten...deshalb finde ich das wort nicht ganz passend...auch wenn, wie du es erkärt hast, vollkommen verständlich ist...
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  #7 (permalink)
Alt 27.06.2007, 15:18
dani1977
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hallo nadine.....

also ich habe auch eine transsexuelle als freundin (die selbe wie böses_mäuschen)......ich bezeichne sie immer wenn ich von ihr rede als frau.....und für mich ist sie auch eine........sie lebt seit 20 jahren als frau.....ihr reisepass läuft auch auf ihren frauennamen der rest lässt sich leider nicht ändern......da sperren sich die ämter dagegen......was einerseits ziemlich viele probleme mit sich ziehen kann.......

also transsexuell im zusammenhang mit krankheit......
dann müssten alle homosexuellen ebenfalls krank sein......wie auch menschen die sich zu hause einsperren und den bezug zur realität verlieren........es ist bestimmt eine art von krankheit........denn sie fühlen sich im falschen körper geboren als die optik zeigt.......doch wenn sie nach außen hin zeigen wer sie sind und was sie gerne seien möchten.....dann haben sie diese krankheit in der seelischen form überwunden.....oder was meinst du???......allerdings finde ich genauso dass sich kein viel besseres wort finden lässt......da ziemlich alles abwertend klingt was man damit in verbindung bringen kann....

in wie fern möchtest du dich später beruflich damit beschäftigen???......
ich gehe mal davon aus auf der therapieebene.......frage mich nur.....ob ein transsexueller zu einer frau oder zu einen mann ein größeres vertrauen aufbringen kann........eine schwierige sache.......aber ich denke wohl eher zu einer frau.......

was ich noch sehr interessant finde ist.......dass die meisten transsexuellen keine "schwulen" männer haben möchten.....die meisten bevorzugen ja männer allerdings hätten sie lieber hetero bzw bi-männer.......es gibt natürlich auch sogenannte "hobby"-transen......bei denen spielt das wort krankheit für mich eher keine rolle......die sind entweder bisexuell oder hetero.......und "verkleiden" sich gerne bzw fühlen sich einfach nur in damenklamotten wohl......fallen gerne auf.......sind eben eher diva´s die zu veranstaltungen gehen.......es gibt wie du schon erwähnt hast soviele verschiedene arten von "transen".......

lg dani
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ich bin wie ich bin
ändern werde ich mich nur für mich selbst
und wem es nicht passt
muss sich auch nicht mit mir abgeben

.....jeder muss erst durch die hölle gehen.....
....um ins paradies zu kommen.......
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  #8 (permalink)
Alt 27.06.2007, 16:05
chaostante
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"Anders als bei der Homosexualität beispielsweise, bei der keine medizinischen Eingriffe irgendwelcher Art nötig sind, um dem Betroffenen ein angenehmes Leben zu ermöglichen."

Homosexualität an sich macht keine Behandlung vonnöten. Man kann ohne OP, Medikamente, Therapie ect. so leben, wie man es möchte. Man sucht sich halt den Partner mit dem Wunschgeschlecht. Dazu muß man ja nicht zum Arzt.
Wenn man allerdings mit seiner Homosexualität ein grosses Problem und deshalb seelische Probleme hat, dann macht das schon krank. Nicht die Homosexualität an sich, aber der Umgang damit. Vielleicht ist es auch beim TG-Thema einfacher anzunehmen, wenn man sagt, nicht die Transsexualität an sich ist die Krankheit, nur die Umstände, die sie mit sich bringt.
Man kann auch TG sein, ohne sich schlecht zu fühlen. Es gibt soviele Grautöne, viele haben "ihr eigenes" Geschlecht gefunden und leben damit prima. Da würde ich nicht von Krankheit sprechen.


Eine Krankheit (synonym: Erkrankung, Morbus, griech: Nosos - vgl. dann Noxe) ist eine Störung der körperlichen, kognitiven, sozialen und/oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder intersubjektiv deutlich wahrnehmbar negativ beeinflusst oder eine solche Beeinflussung erwarten lässt.

Also, alles, was zurifft egal ob wegen Transsexualität, Depressionen ect. ist somit krank.
Ob eine reine Darstellung ihres Inneren nach aussen den meisten TG genügt, wage ich zu bezweifeln. In vielen Fällen müssen einfach medizinische Maßnahmen ergriffen werden, die dem Betroffenen ein Körperbild geben, das er/sie annehmen und lieben kann und zweitens eine wirkliche Akzeptanz von Seiten der Gesellschaft erlaubt. Das jemand eben nicht als TG erkennbar ist, sondern ganz normal als Frau oder Mann leben kann.
Damit es soweit kommen kann, muß der Betroffene eine Therapie machen. Es müssen Gutachten erstellt werden, ein "Alltagstest" ist vorgeschrieben über einen längeren Zeitraum. Ich würde gerne diese Menschen auf dem Wege begleiten. Egal, ob Transmann oder Frau. Ich will versuchen, zu signalisieren, das ich begleiten und helfen will und eine Vertrauensbasis schaffen - ich hoffe, somit vertrauenswürdig zu werden, egal für welches Geschlecht.
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  #9 (permalink)
Alt 28.06.2007, 08:35
Soulslayer
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Laienhaft gesagt würde ich es nicht als Krankheit bezeichnen, sonder eher als "Unfall". Nach einem Unfall müssen Verletzungen auch erst heilen - Transsexuelle können ihr Geschlecht umwandeln lassen. Ok, klar.... "Unfall" ist wohl kaum sehr medizinisch ausgedrückt, aber naja...

Im medizinischen Sinne müsste man mich wohl auch als "bis zu einem gewissen Grad transsexuell" bezeichnen, obwohl ich mich nie als transsexuell bezeichnen würde. Ob es nun daran liegt, dass ich es tatsächlich nicht bin, oder ich mich einfach nur nicht so bezeichnen will... keine Ahnung... Aber ich muss sagen, dass ich mich nicht unbedingt sehr als Frau fühle (geschweige denn mich so benehme)... also schon bis zu einem gewissen Punkt, aber....
Sowas wie eine Geschlechtsumwandlung kommt mir zwar nicht mal annähernd in den Sinn (soweit bin ich zu zufrieden mit meinem Körper), allerdings kam mir schon als ich noch klein war (mit klein meine ich wirklich klein; so ca. 7 Jahre alt) immer mal der Gedanke - bzw. besser gesagt der Wunsch - ich würde lieber in einem männlichen Körper stecken. Der Wunsch ist heute nicht mehr so da, bzw. eben so weit abwesend, dass ich mich nicht als transsexuell bezeichnen würde. Obwohl "bis zu einem gewissen Grad transsexuell" wahrscheinlich doch ziemlich zutreffend wäre.
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  #10 (permalink)
Alt 28.06.2007, 10:53
chaostante
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Darf ich fragen, wie sich das äussert? Im Verhalten, Kleidung, Optik ect.?
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